Tour de Tirol – Tag 2

Kaisermarathon light. Der heutige Tour-Tag zeigte sich wohl von seiner herausfordernsten Seite ;-). Die eigentliche Strecke wurde auf einen Rundkurs geändert, aufgrund der Wetterverhältnisse und der Schneelauge. Auf der Hohen Salve lagen 50cm Neuschnee :(!

Ersatzstrecke: 3 Runden á 14km übers Hexenwasser auf 1200m Seehöhe. So der Plan! Wie schon gesagt, geplant. Der Veranstalter entschied sich, vernünftiger Weise das Rennen auf 2 Runden vorzeitig enden zu lassen. Eine mutige und bestimmt richtige Entscheidung :)!! Der Grund: Kälte, Regen, Schnee und mit Sicherheit viele AthletInnen am Start die sich nicht auf diese Bedingungen vorbereitet hatten…

Allerdings hätt ich mir das Rennen bei 28km Länge etwas anders eingeteilt :(. Ich wär gern noch eine Runde gelaufen. Aber ist halt nicht! So ist es sicher besser…

6 Uhr. Schon beim Aufstehen regnete es. Wie auch auf der Radtour durch Österreich hieß es Zähne zusammen beißen. Um 6:30 Uhr gabs das Frühstück, tolles Buffet. Und ich langte kräftig zu ;-). Der Start erfolgt erst um 09:30. Also genug Zeit zum Verdauen und sich auf die Bedingungen einzustellen… Was ziehe ich an? Mit hab ich genug.  Doch eine berechtigte Frage: Lange od. Kurze Laufhose; welche Jacke; Haube? Kappe? Handschuhe? Trail Schuhe, normale Laufschuhe?
Die stellt man sich auf knapp über 0°C und Regen bzw. Schneefall ein? – Die Frage hab ich mir schon gestellt – aber jetzt gibts kein Zurück mehr.
Mein Ziel für den heutigen Tag ist durchhalten. Nichts weiter. Was passiert passiert. Druck mache ich mir diesmal keinen.

9 Uhr. Noch dreißig Minuten bis zum Start. Strömender Regen über den Laufköpfen. So viel Wasser hab ich noch nie vom Himmel kommen sehen ;-). Meine Adjustierung: Lange Laufhose, Stirnband, Kappe, Trailschuhe, Jacke u. Handschuhe.
Die letzten Infos von der Strecke verheißen nichts Gutes: Ab KM 7 schneit es. Die Straße ist noch gut belaufbar…

Das Rennen. Die Meute stürzt sich in das Rennen. Die ersten drei Kilometer verlaufen gemütlich auf dem gestrigen Rundkurs. Dann noch zwei entspannte Kilometer leicht steigend. Aber ab KM5 bis KM8 gings hoch zum Hexenwasser. Und endlich wusste ich was ein Höhenunterschied von ca. 700m auf ein paar Kilometern ist ;-). Tempo rausnehmen und ruhig und gemächlich trabte ich nach oben. Viele spazierten hoch, doch diese Blöße wollte ich mir auf der ersten Runde noch nicht geben.

Anstieg – Runde 1. Selbstbewusst und davon überzeugt das Tempo zu halten und den Bedingungen zu trotzen stieg ich Meter um Meter empor. Die Pace war egal. Das Wetter rund um mich vergessen. Den Blick immer nur einige Meter vor mir auf den Boden  gerichtet. Nach einer Weile passierte ich KM6, dann KM7 bei der Labestation nahm ich mir einen Tee und spazierte gemütlich weiter, dann wieder kleine Laufschritte. „Nur noch ein Kilometer dann bist du oben“, dachte ich mir.
Mittlerweile war der Regen in Schnee übergegangen, die Schuhe waren dicht, die Jacke auch einigermaßen. Mir war nicht kalt und ich fühlte mich kurzzeit als „Extremsportler“. Weil die Bedingungen so extrem waren.
KM8 und schon sind wir oben. *wuhuu*. Von nun an gings bergab bis in den Ort. Meine Beine waren nach wie vor locker. Das Gefälle auf den ersten 200m bergab schon etwas grenzwertig, weil mit Schnee bedeckt. Anyway. Ich lief gemütlich bergab, schließlich lagen noch 2 Runden vor mir.

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Im Tal angekommen, musste ich mich schon sehr bemühen vom Gedanken abzulenken die sich um die Frage drehten: „Warum mache ich das eigentlich?!“. Doch irgendwann hat mein Hirn abgeschalten, vielleicht bildete ich mir das auch nur ein, aber alles rundherum schien belanglos zu sein. Die tolle Stimmung die die Söller machten, nahm ich nur am Rande war. Obwohl es motivierend war. Schwierig zu beschreiben, aber ich lief wie in Trance und war mir sicher, ich stehe noch eine Runde durch. Die Pace war egal. Eigentlich war mir im Augenblick alles egal, solange ich gesund ins Ziel komme.

Runde 2. Das 2. Mal gings rauf aufs Hexenwasser. Wieder in der gleichen Art und Weise. Schritt für Schritt. Meter für Meter. Atemzug für Atemzug. Ich freute mich schon aufs bergablaufen, denn ich wusste, danach wars nur mehr eine Runde.
Diesmal war oben schon der letzte Streckenabschnitt gesperrt. Merkwürdig, kam mir das schon vor, aber ich dachte zunächst der Veranstalter, zieht das durch mit verkürzter Strecke oder lässt uns im Ort noch ein paar Ehrenrunden drehen?! Bis ich im Tal war, war ich felsenfest davon überzeugt nochmal da rauf zu müssen. Dementsprechend gemütlich trabte ich ins Tal.

Knapp einem Kilometer bevors auf die 3. Runde gehen sollte, waren plötzlich die Labestellen verschwunden, und mein nicht so ganz sicher Verdacht bestätigte sich: Abbruch nach 2 Runden. Die Bedingungen waren hart, aber mittlerweile sicher auch zu gefährlich um die Sicherheit aller TeilnehmerInnen zu gewährleisten.

Ziel. Auch wenn ich noch gern eine Runde gelaufen wäre, so bin ich doch froh, dass ich mir den Anstieg zum Hexenwasser ersparen konnte. Durchnässt und etwas verwirrt lief ich als ins Ziel nach 28,5km und 2h49min. Was hochgerechnet eine Marathonzeit von 4h15 gewesen wäre.

Im Ziel