2. Platz (M-20) beim Wachaumarathon

Zuerst war ich über meine 3:09:09 Zeit etwas enttäuscht, aber als ich die Ergebnisliste sah strotzte ich plötzlich vor Euphorie.

Der 2. Platz in der M-20 und das von 69 Gleichaltrigen Marathonies kann sich schon sehen lassen!

 

Start um 10 Uhr in Emmersdorf/Donau. Es hat knapp 20°C, Wind aus Süd-Ost! Dennoch lasse ich mich nicht beirren. Ich will die 3h Marke knacken…

Die ersten beiden Kilometer sind wichtig zur Tempofindung, Rückenwind und 4:11/km! Es läuft super, meine Beine sind locker. Es sind mehr Menschen hinter mir als vor mir. Komische Sache. Ein Athlet nach dem anderen wird zu Beginn von mir stehen gelassen.

Zu diesem Zeitpunkt läuft eigentlich alles super! Nach 2.5km gehts zurück nach Emmersdorf und endlich in Richtung Krems. Was leider ein etwas zermürbendes unterfangen sein sollte?!

KM5. Gegenwind, die Temperaturen steigen. Im Augenblick ist noch alles egal, ich fühle mich gut. Die Beine sind locker. Schnell ein ISO bei der ersten Labestation und weiter gehts. Euphorie ist noch immer in mir. Jetzt das Tempo f. die nächsten 10km anziehen auf 4:10/km und dann wieder zurücknehmen.

Bei KM7 schließe ich zu einer Gruppe von Läufern auf, die alle sehr ambitioniert sind. Ich laufe zunächst im Windschatten und möchte das Tempo halten. Das klappt gut, nur irgendwie ist mir das zu langsam… Komische Sache das mit dem Ehrgeiz :(. Trotz Gegenwind und bereits merklicher Probleme meinen Plan 4:10/km bis zum Ende durchzuhalten, laufe ich ganz vorne in der Gruppe. Das Tempo ist verdammt hoch. Noch immer Gegenwind. Wie die Kilometer vergehen bemerke ich gar nicht. Wie in Trance laufe ich blicke auf die Uhr.

KM10 bis KM15. Sind sehr kurzweilig. Das erste Gel wird verzehrt, die Gruppe ist noch immer hinter mir. Keiner möchte nach vorne in den Wind, das kostet Kraft. Wie viel sollte sich noch herausstellen. Meinen Plan für die ersten 15km sind perfekt gelaufen. Jetzt schaltete ich ein bisschen zurück. Der Halbmarathon-Start rückte immer näher und damit stiegen auch die Schwierigkeiten und mentalen Problemchen.

KM21. Jawohl, die Hälfte hätten wir. Es ist wieder mal, warm. Heiß! In Spitz bemerke ich das erste mal das meine Beine schwerer geworden sind. Die 3h rücken immer weiter weg. Aber noch gebe ich nicht auf! Versuche nochmal das Tempo zumindest 4:15/km zu halten. Die drei Läufer hinter mir, merken das es mir nicht mehr so gut geht und übernehmen netterweise die Führungsarbeit. Endlich mal Windschatten, der Wind hat nur schon etwas nachgelassen. Egal, dran bleiben…

Dann *PAMMMM*. Bereits bei KM25 hat der Hammer zugeschlagen :(. Ich hatte gehofft, dass aufgrund des intensiven Trainings diesen Punkt weiter hinauszögern zu können. Keine Chance, für mich das erste Mal der Punkt an dem ich ans aufgeben denke. Ich muss abreißen lassen…

Die 3h rücken in Weite ferne. Ich versuche Schadensbegrenzung zu betreiben. Beine und Kopf sind leer. Ich frage mich, was ist passiert. Ich hab mittlerweile Probleme 4:30/km zu halten. Es geht nicht, ich will nicht. Alle Taktik ist dahin.

KM30. Endlich! Ich versuche mich zu motivieren, in dem ich daran denke das es nur mehr 12km sind. Jedesmal wenn ich dachte, ich hätte mich erholt und versuchte das Tempo wieder anzuziehen, ging es einfach nicht. Und ich konnte nichts mehr tun. Ich fühlte mich wie ein Schiffbrüchiger der auf offenere See treibt und darauf wartet entweder von Haien zerfleischt zu werden oder unterzugehen.

Bei KM32 traf ich dann einen Läufer wieder der anfangs in der 3h-Gruppe dabei war. Seine Worte, gaben mir wieder etwas Kraft, er sagte, „So brutal bin ich schon lang nicht mehr eingegangen!“ Ein Zeichen dafür, dass nicht nur ich zu kämpfen hatte. Das gab so blöds klingt, den nötigen Anstoß ins Ziel laufen zu wollen.

KM33. Noch 4km dann bin ich in Krems. KM34 Ich sehe schon die Donaubrücken. Tempoverschärfung ist nicht drin. Bei den Labestationen nehme ich das „Tempo“ immer wieder weg und nehme gemütlich: Wasser, Cola, Iso.

KM35. Fotosession. Lächeln fällt mir schwer, ich bin frustriert. Hätte mir nicht gedacht so einzubrechen. Mittlerweile kämpfe ich mit der 4:50/km Marke.


Noch 7km, die sich wieder mal wie Kaugummi ziehen sollten. Vor mir sehe bereits ein paar Athleten die den Bedingungen auch Tribut zollen müssen und bereits spazieren, statt Laufen. Ein Gedanke den ich auch des öfteren hatte, nur dann wärs vorbei gewesen. Also lief ich weiter. Auf meine GPS-Uhr schaute ich kaum noch. Zu demotivierend war es zu sehen, wie der Kilometerschnitt von 4:11/km spazieren ging und zum Schluss glücklich bei 4:29/km angekommen war.

KM40. Die Beine schmerzen schon ganz schön. Man läuft bei Start und Ziel vorbei. Ich sehe die Anzeigetafel, die mir mein Ziel signalisiert: 2:57:10! Damit waren die 3h endgültig aufs nächste Jahr verschoben. Jetzt hieß es Schadensbegrenzung zu betreiben. Zumindest noch unter 3h10 zu bleiben!

KM41 und 42, zogen sich durch das verwinkelte Krems. Gemein ist der letzte Kilometer, wo das Ziel schon in Sichtweite ist und mir schien es so als würde ich nicht näher kommen. Am Ende dieses Streckenabschnitts war ich am Ende! Die Uhr zeigte 3 Stunden 9 Minuten und 9 Sekunden.

Zunächst, war meine Enttäuschung trotz dieser hervorragenden Zeit sehr groß. Was war geschehen, was hatte ich falsch gemacht? Wieso bin ich so brutal eingebrochen. Der Wind! Die Temperaturen! Übertraining? Wie ferngesteuert und Gedankenversunken, wankte ich durch den Zielbereich…

Michael

Meine Hochachtung zur tollen Zeit. Ich bin am Sonntag im Training (LongRun) auch nicht vom Fleck gekommen, ich tippe auf das Wetter/Temperatur. Trotzdem sind 3:09 eine Spitzenzeit, auf die man aufbauen kann. Respekt und alles Gute! (styria69)

Graham

Hey, ich bin mal so frei und schreibe mal was auf deiner Seite. Sieht schoen aus! Ich beschaeftige mich auch seit kurzem mit WordPress verstehe aber noch nicht alles. Dein Blog ist mir da immer eine gute Motivation. Danke!