Langdistanztriathlon – Eine lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt!

Meine Euphorie ist noch immer riesig!!! Dieses Wochenende habe ich meinen ersten Langdistanztriahtlon (Ironman) in Podersdorf absolviert und in einer Zeit von 10:56:06 gefinished.

3.8 km Schwimmen, 180km Radfahren, 42 km Laufen: Zehn Stunden sechsundfünfzig Minuten sechs Sekunden purer Genuss!

Ein großes DANKE, an alle die mich an diesem Wochenende unterstüzt und angefeuert haben!!!

Vorgeschichte. Lange hab ich mir Gedanken darüber gemacht, was ich nicht alles schreiben könnte und welche Eindrücke ich nicht alles im Laufe der letzten Triathlonjahre  gesammelt habe. Wieviele Kilometer und was weiß der Teufel. Letztendlich ist das alles egal, denn es kommt auf den Moment drauf an. Und deshalb möchte ich die 10 Stunden 56 Minuten und 6 Sekunden noch mal kurz Revue passieren lassen:

Race Day. 3 Uhr 30 – Der Wecker läutet unbarmherzig, schläfrig frage ich mich wie das heute wird, bin nervöser als bei meinem ersten Bewerb, ja ich glaub so angespannt war ich nur vor wichtigen Prüfungen (Matura, Diplom). Nach einer kurzen Phase des Dösens stehe ich auf. Frühstücken: 4 Marmelade Brote, ein Päckchen Allin, Banane, Nusstrudel, Marillenkuchen, Wasser, Energieriegel ….

5 Uhr. Die Fahrt zum Strandbad Podersdorf von Apetlon ist sehr kurzweilig :)! Angekommen in Podersdorf, zeichnet sich das übliche Bild. Athleten checken in die Wechselzone ein, pumpen ihr Fahrrad auf, richten sich ihre Welt für die nächsten paar Stunden ein. „Home Sweet Home“.
Alles ist automatisiert. Routine: Rad, Helm auf den Radlenker, Brille, Schuhe mit Gummiband am Rad fixieren, Socken in die Laufschuhe stopfen, Verpflegung, Startnummer am Radlenker, Sonnencreme, Brustwarzenabkleben….

Schwimmen. 2 Runden á 1.9km. Es ist mittlerweile kurz vor 7 Uhr und ich kann meine Nervosität kaum noch verbergen. Wie ferngesteuert steige ich ins Wasser. Ich mache ein paar Schwimmzüge. Kraul, Brust, Kraul. Die Brille ist dicht. Meine GPS Uhr bereit. Ich möchte das es los geht! Ich zittere ein bisschen, von der Kälte obwohl die Wassertemperatur über 24 °C liegt. Da endlich der Startschuss!!!

Endlich gehts los. Bis zur ersten Boje gehts wie immer nur im Kampfmodus. Halbdistanz und Langdistanz starten gemeinsam. Das ist eine „Drescherei“ kann ich euch sagen. Tausende Arme. Jeder will die beste Position. Ich schwimme im Windschatten. Finde es manchmal ein bisschen nervig, wie rücksichtslos die Leute an meinen Beinen ziehen oder über mich drüber schwimmen. Aber das gehört dazu! Und ich will mir die Laune nicht verderben lassen. Mir machts Spaß! Auf der ersten Runde entsteht eine richtige Sogwirkung um die Bojen herum. Man wird richtig in Schwimmrichtung gezogen :)! Die erste Runde ist sehr kurzweilig, ich fühle mich gut und freue mich schon auf die 2. Runde. Die Arme halten!  Der Leuchtturm ist zum Greifen Nahe. Ein komisches Feeling, an den Zuschauer vorbeizuschwimmen, jedes Mal atmen den Blick auf den Leuchtturm, dann wieder der Blick wo muss ich hin schwimmen?! Da auf gehts in die zweite Runde. Ich liege gar nicht schlecht im Feld, muss nicht allein schwimmen, sehe weiße Badehauben um mich herum. Ich schwimme den kürzesten Weg. Heute verschwimme ich mich kein einziges Mal.
Endlich gehts wieder zurück. Schön langsam wirds mühsam, trotzdem fühle ich mich gut. Bin schon mit den Gedanken am Rad. Noch ein paar hundert Meter bis zum Ausstieg aus dem Wasser. Ich spüre schon den Untergrund mit den Händen, aufstehen und die letzten 20m gemütlich rausspazieren ;-)! Es ist wenig Wasser im Neusiedlersee. Land, kein Wasser mehr, gemütlich laufe ich in Richtung Wechselzone.

Nach 1h27 ist der erste Teil erfolgreich absolviert!

Wechselzone T1. Durschnaufen, Puls runterbringen steht jetzt im Vordergrund. Ich fühle mich erstaunlich gut. Abtrocknen, Oberteil anziehen – sieht etwas umständlich aus, weil ich ein paar Problemchen habe das Teil über meinen nassen Oberkörper zu bringen –  Riegel einpacken, Startnummer nach hinten, Helm aufsetzen und verschließen, Brille auf, Rad schnappen. Alles läuft glatt! Ich bin begeistert, mein letzter Triathlon ist immerhin schon einige Monate her…

Radfahren. Die Radstrecke wurde dieses Jahr geändert von 4x45km auf 6x30km. Was etwas angenehmer ist für Athleten, Zuschauer und Veranstalter, weils nur mehr eine Verpflegstation gibt. Ich finds super, vor allem, weil man ~1h auf sich gestellt ist und dann wieder Leute sieht, die einen anfeuern und begeistern. Was zur Radstrecke zu sagen bleibt ist, dass sie fantastisch und schnell wird. Wenig 90° Kurven, übersichtlich gut gesichert. Ich möchte trotzdem kurz auf die einzelnen Runden eingehen, weils mir doch sehr unterschiedlich ging.
Auf der ersten Runde ist klar, Tempo, Tempo… Ich war topmotiviert und überrascht wieviel Rücken- und wie wenig Gegenwind dieses Jahr war. Ich fühlte micht gut, die Temperaturen waren noch moderat, es war wenig los auf der Strecke und ich konnte „Gas geben“ ;-). Die erste Runde verging wirklich schnell, dann in Runde zwei kam der erste Hungerast, den ich gut mit Riegeln+Allin überbrücken konnte. Mental gings auch noch einigermaßen obwohls anstrengend war bei den vielen Halbdistanzteilnehmern – die mich überholten – sich immer zurückfallen zu lassen um nicht eine Disqualifikation oder Zeitstrafe zu kassieren. Das war extrem in Runde 2 und auch 3.

Danach gings, und am schwierig wars dann in der 4. Runde, weil ich die meiste Zeit ganz allein fuhr und weder überholt wurde noch einen Vordermann sah um zu überholen. Darauf musste ich mich einstellen. Mich auf mich selbst konzentrieren, mein Wohlfühltempo zu fahren, vor allem es war warm und ich dachte an den bevorstehenden Marathon und wie meine Beine halten würden?! Nach 120km, war klar ich fahr das Ding nach Hause! In Runde fünf und sechs gings dann nur mehr drum Pannenfrei und gut in die Wechselzone zu kommen. Es war erstaunlich windstill dafür aber sehr heiß und mein Tempo sehr konstant. Die ganze Zeit wurde ich von meinen Freunden bei der Labestation unterstützt und bekam Getränke & Riegel gerreicht. Ein ganz großes Danke schon Mal an dieser Stelle, das war mir eine große Motivationsstütze :)! Ohne das hätte ich wohl nicht durchgehalten…

Nach 5h28 war der Spaß am Rad zu Ende und mit weichen, federleichten Beinen gings runter vom Rad, alles klappte wie am Schnürchen, das hätte ich mir nicht erträumen lassen, dass ich noch problemlos am Rad aus meinen Schuhen steige und Barfuß in die Wechselzone laufe.

Wechselzone T2. Rad abstellen, Helm abnehmen, Startnummer nach vorne, einen Schluck trinken, rechter Socken + Laufschuh, linker Socken + Laufschuh, Gel einpacken und los gehts auf die 42.195km und die nächsten 8×5.25km Pendelstrecke.

Laufen. 4×10.5km, gilt es jetzt noch zu absolvieren. Es ist heiß und natürlich auch gerade die Nachmittagshitze im Gang. Um ca. 14 Uhr auf die Laufstrecke zu gehen im Sommer ist sehr geil! Aber erstaunlich wie locker meine Beine auf dem Weg zur ersten Wende ist. Bei den Labestationen spaziere ich durch, um mich nicht zu verausgaben und genug Flüssigkeit aufzunehmen.

Jede Runde bekomme ich Motivation und Unterstützung von meinen Freunden, die manchmal auch einen Kilometer mit mir mitlaufen und mich einfach ein bisschen ablenken.

Ich fühlte auf den ersten beiden Runden sehr wohl, einzig auf der ersten Runde musste ich einen kurzen Zwischenstopp beim „Dixi“ machen, aber ansonsten lief ich konstant meinen 5:30-5:40/km. Ich war auf 4h Stundenkurs. Und es machte mir Spaß, die ersten 2h vergingen zügig und in Runde drei wars dann schon etwas mühsam…

Aber wie sooft, wenn ich auf die letzte Runde gehe, denke ich mir immer, das läufst du jetzt gemütlich nach Hause und dann, so knapp 2km vor dem Ziel wurde mir bewusst, ja du kannst unter 11h bleiben. Das war was ich wollte also, machte ich auf den letzten 2km nochmal Tempo, wenn man 5:00/km als Tempo bezeichnen kann, aber nach 10h45 Minuten, kann man das glaub ich schon als Tempo bezeichnen und ich lief angetrieben von Zuschauern und Freunden und einer riesigen Begeisterung und stolz erfüllt ins Ziel!

Nach 3h57 ist auch der Marathon Geschichte und der

Finish. 10 Stunden 56 Minuten 6 Sekunden ist die Zeit mit der ich meinen ersten Ironmanbewerb/Langdistanztriathlon gefinisht habe. Das sind 140.6 Meilen oder 226km, das entspricht ungefähr der Strecke von Graz nach Podersdorf. Ich bin stolz und glücklich, dieses Ziel erreicht zu haben! Wichtig ist mir an dieser Stelle auch allen zu Danken die mich an diesem Tag unterstüzt angefeuert, umsorgt, aufgemuntert, motiviert, fotografiert, abgeklatscht, mitgelaufen sind und und…. DANKE! DANKE! DANKE!